Die Schweiz besitzt eine jahrhundertealte Tradition der Solidarität, die weit über grosse Hilfswerke hinausreicht la-malle-au-tresor.ch. In einem bundesstaatlich organisierten Land ergibt sich Gemeinwohl oft aus dem direkten Engagement von Bürgerinnen und Bürgern, die in Vereinen, Stiftungen oder informellen Nachbarschaftsnetzen Verantwortung tragen. Wer verstehen will, wie Hilfe und Gemeinschaft hier wirken, sollte sowohl das gesetzliche Gerüst als auch die praktizierte Praxis in den Kantonen und Gemeinden ansehen. Dieser Artikel bietet ein vielschichtiges Bild der schweizerischen Wohltätigkeitslandschaft, ihrer Akteure, ihrer Anreize und ihrer derzeitigen Entwicklungen.
Gesetzliche Rahmenbedingungen gemeinnütziger Organisationen
Das hiesige Zivilgesetzbuch regelt in den Artikeln 60 bis 79 die Errichtung und Leitung von Vereinen, die das Fundament des gemeinnützigen Sektors bilden. Ein Verein wird gegründet schon mit der Annahme von Statuten durch zumindest zwei Personen und bekommt Rechtspersönlichkeit ohne staatliche Genehmigung. Diese niederschwellige Hürde verdeutlicht die enorme Dichte an lokalen Kultur-, Sport- und Sozialvereinen. Für die steuerliche Anerkennung der Gemeinnützigkeit müssen die Statuten jedoch einen rein altruistischen Zweck festschreiben und die effektive Tätigkeit muss diesem Zweck entsprechen.
Stiftungen unterliegen einer strengeren Aufsicht. Sie werden durch eine öffentliche Urkunde oder ein Testament errichtet und benötigen der Eintragung ins Handelsregister. Die regionale oder eidgenössische Stiftungsaufsicht überwacht regelmässig, ob das Vermögen zweckgemäss eingesetzt wird. Gemeinnützige Stiftungen haben Steuerbefreiung auf Stufe der direkten Bundessteuer und in den meisten Kantonen, sofern sie keine Erwerbszwecke haben und ihre Mittel wirklich für wohltätige, kulturelle oder wissenschaftliche Zwecke nutzen. Die Vorgehensweise der Steuerbehörden ist regional verschieden ausgestaltet.
Genossenschaften nehmen ein im Sozialbereich eine kleinere, aber nicht zu unterschätzende Rolle. Wohnbaugenossenschaften, die preisgünstigen Wohnraum bereitstellen, oder landwirtschaftliche Genossenschaften, die örtliche Versorgung garantieren, haben häufig auch gemeinwohlorientierte Ziele. Ihre rechtliche Struktur nach Obligationenrecht vereint wirtschaftliche Tätigkeit mit demokratischer Mitbestimmung. Für die Anerkennung als gemeinnützig gelten analoge Kriterien wie bei Vereinen, wobei die Unterscheidung zwischen Mitgliederförderung und öffentlichem Interesse präzise untersucht wird.
Lokale Initiativen und gelebte Nachbarschaftshilfe
Neben den grossen Hilfswerken gibt es ein dichtes Netz lokaler Initiativen, die oft unbemerkt von der allgemeinen Öffentlichkeit tätig sind. In nahezu jeder bedeutenderen Gemeinde gibt es Tafelläden, die überschüssige, aber makellose Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilen. Organisationen wie Tischlein deck dich oder die Schweizer Tafel organisieren die Logistik zwischen Detailhandel, Landwirtschaft und Abgabestellen. Diese Arbeit wird nahezu ausschliesslich von Freiwilligen ausgeführt und erfasst Woche für Woche Zehntausende Haushalte, die sich normalerweise keine ausgewogene Ernährung leisten könnten.
Nachbarschaftshilfe besitzt in der Schweiz einen besonderen Stellenwert, der sich in zahlreichen institutionalisierten Formen zeigt. Zeitvorsorge-Modelle, bei denen absolvierte Betreuungsstunden gutgeschrieben und später persönlich abgerufen werden können, finden Verbreitung in Städten wie St. Gallen oder Winterthur. Quartiervereine unterhalten Mittagstische für Kinder und Senioren, planen Einkaufsdienste und arrangieren kleine handwerkliche Hilfeleistungen. Diese einfach zugänglichen Angebote stärken den sozialen Zusammenhalt und unterbinden, dass Menschen in Isolation geraten, bevor erst professionelle Sozialdienste eingeschaltet werden müssen.
Ein spezielles Merkmal der Schweizer Gemeinschaftsarbeit ist die intensive Verzahnung mit der politischen Gemeinde. Viele Kommunen bieten Räumlichkeiten, Infrastruktur oder geringe finanzielle Beiträge zur Verfügung und erzeugen so einen verlässlichen Rahmen für freiwilliges Engagement. Integrationsprojekte, die Zugewanderte mit Einheimischen in Kontakt bringen, sind oft als Vereine organisiert und erhalten Anschubfinanzierungen aus kantonalen Integrationsprogrammen. Diese Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft zählt international als beispielhaft, weil sie Bürokratie reduziert und massgeschneiderte Lösungen vor Ort fördert.
Digitale Transformation der Unterstützungskultur – Plattformen und Tools
Die Digitalisierung hat auch den gemeinnützigen Sektor in der Schweiz erreicht und neue Möglichkeiten der Mitwirkung geschaffen. Portale wie Five up oder HelpTo vermitteln Freiwillige an lokale Vorhaben, ohne dass eine langfristige Organisationszugehörigkeit nötig ist. Interessierte können nach Ort, Zeitaufwand und Fachrichtung suchen und erhalten maßgeschneiderte Aufgaben direkt auf das Mobilgerät. Diese Beweglichkeit kommt vor allem jüngeren Generationen, beruflich stark eingespannten Menschen entgegen, die sich sporadisch beteiligen wollen, aber keine festen Zusprüche eingehen können.
Auch das klassische Spendenverhalten entwickelt sich durch digitale Medien. Schwarmfinanzierungsportale wie Lokalhelden.ch oder there-for-you.com ermöglichen es Bürgern und kleinen Organisationen, Spenden für konkrete Projekte zu einzusammeln, die von einer breiten Gruppe getragen werden. Die Offenheit ist dabei ein wesentlicher Faktor: Unterstützer können in Echtzeit verfolgen, wie viel Geld bereits gesammelt ist und wofür es genutzt wird. Diese Direktheit schafft Glaubwürdigkeit und senkt die Hemmschwelle, auch geringere Summen zu spenden, die in der Gesamtheit erhebliche Wirkung haben.
Für die traditionellen Wohltätigkeitsorganisationen bedeutet die Digitalisierung einen umfassenden Wechsel der Kommunikations- und Fundraising-Strategien. Sie setzen verstärkt in Social-Media-Kampagnen, personalisierte Infomails und digitale Spendentools, um neue Kreise zu gewinnen. Zugleich müssen sie hohe Anforderungen an den Datenprivatsphäre gewährleisten, da Daten der Spender besonders schützenswert sind. Die Schweizerische Post stellt bereit mit ihrem Service «Spenden online» eine standardisierte Option an, die es auch kleineren Organisationen ermöglicht, sichere Online-Zahlungen zu annehmen und Spendenbescheinigungen automatisiert auszustellen.
Volunteering: Ausmaß, Antrieb und Wandel
Ungefähr ein Viertel aller ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren vollzieht gemäss dem Bundesamt für Statistik organisierte Freiwilligenarbeit in Vereinen oder Institutionen. Noch wesentlich größer liegt der Prozentsatz jener, die formlos Nachbarschaftshilfe ausüben, Kinder versorgen oder ältere Menschen ausserhalb institutioneller Systeme begleiten. Insgesamt werden jährlich über 700 Millionen Stunden ehrenamtlicher Arbeit erbracht, was einem volkswirtschaftlichen Wert von mehr als 30 Milliarden Franken gleichkommt. Diese Werte beweisen, dass Freiwilligkeit kein Randphänomen, sondern eine tragende Pfeiler des Sozialstaats ist.
Die Motive der Freiwilligen sind vielfältig. Neben dem dem Verlangen, etwas Bedeutungsvolles zu tun und der Sozietät etwas zurückzugeben, spielen soziale Kontakte und der Erwerb neuer Fertigkeiten eine entscheidende Funktion. Viele jüngere Menschen wirken projektorientiert und zeitlich begrenzt, während ältere Menschen oft über lange Zeit hinweg in denselben Gefügen mitwirken. Die traditionelle Vereinsmitgliedschaft mit fester Verpflichtung verliert jedoch an Wichtigkeit, was Einrichtungen vor die Aufgabe bringt, flexiblere Engagementmodelle und geringere Engagementzyklen zu offerieren.
Der bevölkerungsbezogene Wechsel verschärft diese Bewegung. Auf der einen Seite stehen immer mehr im Ruhestand befindliche, aktive Menschen als mögliche Freiwillige zur Auswahl, andererseits steigt der Nachfrage nach Betreuungsleistungen für sehr alte Menschen deutlich an. Organisationen wie Pro Senectute oder das Schweizerische Rote Kreuz konzipieren deshalb speziell Programme, die neuere Seniorinnen und Senioren für Besuchsaktionen, Fahrservices oder organisatorische Arbeiten gewinnen. Parallel dazu bemühen sich sie, über digitale Medien auch Arbeitnehmer für Kleinengagements zu erreichen, die nur einige Stunden pro Monat ausmachen.
Spendenwesen und steuerliche Anreize
Die Spendeneigung in der Schweiz ist konstant hoch, ist unterworfen aber konjunkturellen und medienbedingten Einwirkungen. In Jahren mit grossen humanitären Krisen oder Naturereignissen schnellen die privaten Zuwendungen nach oben, während in besinnlicheren Zeiten das Spendenbetrag leicht abnimmt. Die Anerkennung durch die Stiftung Zewo fungiert dabei als wichtige Orientierungshilfe. Das Prüfsiegel bescheinigt den sparsamen Umgang mit Mitteln, transparente Buchführung und eine autonome Kontrollstelle. Rund 500 Organisationen führen dieses Label, das von vielen Gebenden als Auswahlkriterium herangezogen wird.
Steuerlich lassen sich Spenden an gemeinnützige Organisationen sowohl bei der direkten Bundessteuer als auch bei den Kantons- und Gemeindesteuern abgesetzt werden. Der Bund gestattet einen Abzug von bis zu 20 Prozent des Reineinkommens, vorausgesetzt die Beiträge mindestens 100 Franken im Steuerjahr betragen. Die Kantone regeln die Höchstgrenze verschieden; einige bieten ebenfalls 20 Prozent, andere sind tiefer oder höher. Wesentlich ist, dass die begünstigte Organisation im jeweiligen Kanton als steuerfrei qualifiziert ist. Spenden ins Ausland sind nur steuerlich abziehbar, wenn die Organisation einen engen Bezug zur Schweiz aufweist.
Erbschaften und Legate stellen eine erhebliche Einnahmequelle vieler Hilfswerke dar. Anders als in vielen angrenzenden Ländern besitzt die Schweiz keine Erbschaftssteuer auf Bundesebene, und die meisten Kantone befreien direkte Erben gänzlich. Dadurch entsteht ein grosser finanzieller Spielraum, den immer mehr Menschen für karitative Zwecke einsetzen. Organisationen wie die Glückskette oder Caritas bieten fachspezifische Beratungsdienste für Nachlassspenden an und unterrichten darüber, wie man eine Stiftung oder ein Hilfswerk im Testament begünstigen kann, ohne die vorgeschriebenen Pflichtanteile zu umgehen.
Vereine, Stiftungsorganisationen und Genossenschaftsformen – die Trägerlandschaft
Die hiesige Wohltätigkeitslandschaft wird von einer bemerkenswerten Bandbreite an Organisationsformen gestützt. Winzige Ortsvereine, die jährlich einmal einen Suppentag für Hilfsbedürftige organisieren, bestehen neben international tätigen Stiftungsorganisationen mit Milliardenvermögen. Diese Vielfalt ist nicht zufällig, sondern Ausdruck eines Subsidiaritätsgedankens, das staatliche Eingriffe erst dann vorsieht, wenn privates Engagement an ihre Grenzen gelangt. In vielen Kommunen ausführen Damenvereine, Familienberatungen oder Samaritervereine Tätigkeiten, die anderswo öffentliche Einrichtungen erledigen.
Fonds bilden das finanzielle Hauptgewicht des Sektors. Nach dem Swiss Foundation Report existieren über 13‘000 wohltätige Stiftungsorganisationen, die insgesamt ein Vermögen von rund 100 Milliarden Franken verwalten. Bedeutende Institutionen wie die Christoph Merian Stiftung in Basel oder die Ernst Göhner Stiftung unterstützen Sozialhilfe, Kunst und Ausbildung mit jährlichen Zahlungen in zweistelliger Millionenhöhe. Zugleich kommen ständig neue Dachfonds und Fonds, die es Spenderinnen und Spendern ermöglichen, unter einem fachkundigen Führung eigene Förderprogramme zu initiieren, ohne selbst eine Stiftung ins Leben rufen zu brauchen.
Genossenschaftsbasiert aufgebaute Gemeinschaftssinn offenbart sich insbesondere in der Seniorenbetreuung und im Hausbau. Die Kooperative für Alterswohnungen in Zürich oder die Allgemeine Wohnbaugenossenschaft Luzern schaffen dauerhaft garantierten, erschwinglichen Wohnungen und verbinden oft Nachbarschaftstreffs oder Betreuungsangebote. Unterschiedlich zu reine Kapitalgesellschaften sind sie nicht auf Profitmaximierung ausgerichtet, sondern auf die nachhaltige Sicherstellung ihrer Mitglieder. Diese Mischform aus betrieblichem Unternehmen und sozialem Auftrag macht sie zu einem wichtigen Baustein des hiesigen Gemeinschaft.
Probleme und Perspektive des gemeinnützigen Sektors
Trotz seiner Leistungsfähigkeit steht der schweizerische Charity- und Community-Bereich vor bedeutenden Herausforderungen. Die steigende Professionalisierung bringt zwar mehr Leistungsfähigkeit, führt aber auch zu einem wachsenden Bedarf an hauptamtlichem Personal und entsprechender Finanzierung. Kleine Vereine, die ausschließlich auf Freiwilligenarbeit basieren, geraten dadurch unter Druck, weil sie mit den professionell geführten Organisationen um Spenden und öffentliche Gelder konkurrieren müssen. Diese Schere zwischen großen Hilfswerken und lokalen Initiativen droht die Breite der Trägerlandschaft langfristig zu schmälern.
Ein weiteres Konfliktfeld ist die politische und gesellschaftliche Polarisierung. Wohltätigkeit war in der Schweiz traditionell ein weitgehend unbestrittenes Feld, das Menschen vielfältigster Herkunft und Weltanschauung zusammenführte. In den letzten Jahren mehren sich jedoch Debatten darüber, ob bestimmte Organisationen politische Ziele verfolgen oder mit ihrer Arbeit indirekt staatliche Aufgaben übernehmen. Die klare Abgrenzung zwischen parteipolitischem Engagement und gemeinnütziger Tätigkeit wird für Stiftungen und Vereine immer wichtiger, um ihre steuerliche Anerkennung und das öffentliche Vertrauen nicht zu gefährden.
Die Erderwärmung und die Migration stellen den Sektor vor neue inhaltliche Aufgaben. Immer mehr Organisationen legen ihre Programme auf ökologische Nachhaltigkeit aus oder begleiten Menschen, die von Umweltveränderungen betroffen sind. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Integrationshilfe für Geflüchtete und vorübergehend Aufgenommene, wobei lokale Ehrenamtsnetzwerke oft rascher und einfacher handeln als staatliche Einrichtungen. Diese Veränderung erfordert eine noch stärkere Abstimmung zwischen Bundesregierung, Kantonen und Zivilgesellschaft, um Überschneidungen zu vermeiden und die bestehenden Ressourcen effizient einzusetzen.
Die bevölkerungsbezogene Alterung zwingt den Sektor zudem, neue Wege der Jugendförderung zu gehen. Viele Führungsgremien von Organisationen und Fonds sind überaltert, und die Bereitschaft, Leitungsverantwortung zu übernehmen, geht zurück. Mentoring-Programme, die junge Menschen gezielt an Führungsaufgaben heranbringen, und die moderne Anpassung von Besprechungskulturen sind nur zwei Methoden, um die nächste Gruppe für das Gemeinwesen zu gewinnen. Gelingt dieser Wandel nicht, besteht ein allmählicher Verlust an institutionellem Wissen und lokaler Verankerung, der kaum kurzfristig zu ausgleichen wäre.
Schliesslich ist die Finanzierung eine Daueraufgabe. Während bedeutende Stiftungen von stabilen Erträgen aus ihrem Vermögen leben, sind viele kleinere Organisationen auf regelmässige Spendeneinnahmen angewiesen, die stark variieren können. Die Weiterentwicklung des Fundraisings und die Erschliessung neuer Einnahmequellen wie Legate oder Unternehmenskooperationen werden deshalb an Bedeutung zunehmen. Gleichzeitig wächst der Druck, die administrative Effizienz zu steigern und den Anteil der Mittel, die direkt den Begünstigten zugutekommen, möglichst hoch zu halten – eine Kennzahl, die Gönner zunehmend kritisch hinterfragen.

